16.12.2006
Color-Struggle: die richtige Farbe finden
Meist ist es ein einfaches Bauchgefühl und eine Frage mit dem Colorpicker aus der Illustration ein Farbset herauszupicken. Doch manchmal ist die Farbe, die wir im Gehirn komponieren weit von dem entfernt, was der mechanische Prozess eines Computers erzeugt. Neben den Farben des Bildes und des Logos gesellen sich noch die assoziierten Farben mit der Leistung des Unternehmens oder dessen Ware. Farbe kann distanzieren oder Nähe erzeugen. Farbe kann warm oder kalt sein, erdig oder luftig, satt oder weich, aggressiv oder sanft, …. Meist habe ich bei der Farbwahl das richtige Bauchgefühl und schon nach 3. oder 4. Kombination also innerhalb einer viertel Stunde das grobe Schema und in weiteren 3-5 Minuten das Finetuning abgeschlossen, und damit innerhalb einer halben Stunde das Farbschema eines Templates umgestellt. Manchmal aber zeigt sich die Basis widerspentig.

Ich verbrachte nun vier Stunden damit Farbschemata zu testen. Dies war ungewöhnlich lang und als es schon schien, dass Farbschema gefunden war, da brachte die Anderung des grünlichen hellgrau gehenden Kopfbereiches mit einem Tick mehr Gelb noch einmal eine große Steigerung, hin zu dem Farbklang, der für mich für Wachstum und fruchtbarer Erde riecht und sich anfühlt wie ein saftiges Grün eines bestellten Feldes.
Nun geht dieser Farbklang zum Kunden und niemand garantiert mir, dass dieser Farbklang angenommen wird. Wann immer ein Kunde von mir eine Flatrate erhält, laufe ich Gefahr, genau diese Aufwändungen aufzubringen und auch nicht anders handeln zu können … als so lange nach der Form und der Farbe zu suchen, bis es richtig ist. Bis es stimmt. — zumindest für mich.
Ein Prozess, der sich nicht abkürzen lässt und immer wieder vorkommt, der in der Natur der Sache liegt. Es ist ein Punkt, bei dem ich mich Frage, ob man überhaupt Designs im unteren Preissegment anbieten kann, denn natürlich ist Wirtschaftlichkeit ein Aspekt, den auch ich nicht vernachlässigen darf.
Um diese vier Stunden nun nicht einfach abschreiben zu müssen, bietet mir die Templaterie die Möglichkeit Kombinationen, die in anderen Kontexten angemessen, ja geradezu ideal sind, umzusetzen und in der Templaterie anzubieten. Ein Trost und auch weiterer Aufwand …
Ich werde aus diesem Farbraum der gedeckten Farben also in Kürze weitere Templates einstellen also über den jetzt beauftragten grünen Farbraum hinaus und ich werde noch einmal gründlich in mich gehen, ob ich wirklich den wahrscheinlichen Aufwand zur Grundlage nehme oder nicht doch einen Puffer auf alle Leistungen lege, der insgesamt diese Extremen in der Entwicklung von Designs abfängt. Sozusagen das Preisschema von Versicherungen. Alle tragen ein wenig das Risiko in einer Solidargemeinschaft mit, um nicht zufällig derjenige zu sein mit der Arschkarte. Wie kommt es, dass ich in beinah neun Jahren nicht längst ein solches Preisschema anwende. Ich weiß es nicht, vielleicht weil es ungerecht ist, vielleicht, weil die extremen Ausrutscher nicht so häufig vorkommen und wenn mich der nächste fragt, wie lange ich für diese oder jenes benötige ich wieder nur die Zeit im Kopf habe, die ich üblicher Weise benötige und losgeplappert habe, bevor mein innerer Buchhalter mich eines besseren gemahnt.
Nachtrag: Der Lohn der 3,5 Stunden extra ohne Gegenwert … “soweit ok”. Na. Wenigstens kein weiterer Aufwand.
Filed under: Design
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